Mit günstigen LoRa-Chips kann man ein verschlüsseltes Kommunikationsnetzwerk aufbauen – und ist damit unabhängig von Internet, Mobilfunk und staatlichen Kontrollfantasien

Der Krieg im Iran zeigt, wie schwierig die Kommunikation wird, wenn autoritäre Regime plötzlich den Zugang zum Internet kappen. Dahinter steht häufig der Versuch, Aufstände zu unterbinden und den Menschen die Möglichkeit zur Absprache zu nehmen. Deshalb wurde in Teheran auch der Internet-Blackout angeordnet. Messengerdienste wie Whatsapp oder Signal funktionieren dann nicht mehr.
Auch in Staaten wie Russland wird die Kommunikation unter den Bürgern limitiert und nach Wünschen des Kreml in Richtung einer staatlichen, einfach überwachbaren, App gelenkt. Gleichzeitig wird das in Osteuropa und Russland immens populäre Telegram auf Geheiß des Kreml immer weiter eingeschränkt. In manchen Regionen wird das Internet gleich ganz abgeschaltet.
Doch ist jede digitale Kommunikation vorüber, sobald das Regime den Internetzugang kappt? Nein – es gibt Möglichkeiten, weiter mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu bleiben. Eine Variante ist Bitchat, ein Messenger, der auch offline funktioniert. Der Nachteil: Dieser setzt auf ein Bluetooth-Mesh. Reichweite: 50 Meter. Das mag in dicht besiedelten Umgebungen funktionieren, am Land, wo die Distanzen weiter werden, ist hier schnell das Ende des technisch Machbaren erreicht.
Die Lösung: Meshtastic
Es gibt aber noch eine andere Methode namens Meshtastic und Funkgeräte mit langer Reichweite, die dank einer Smartphone-App wie Messenger funktionieren. Der Vorteil: Die Kommunikation ist dank des Meshnetzwerks und der höheren Reichweite des verwendeten Frequenzbandes über mehrere Kilometer weit möglich – und das völlig offline und relativ sicher vor staatlichen Eingriffen. Das Ganze ist kostengünstig und man kann die Geräte selbst zusammenbasteln. Allzu viel handwerkliches Geschick braucht man dafür nicht.
Bei Meshtastic handelt es sich um ein netzunabhängiges, dezentrales Netzwerk. Als Basis dient das LoRa-Protokoll, mit dem sich kurze, auch verschlüsselte Textnachrichten verschicken lassen. Der Zugriff auf das Long Range Wide Area Network ist frei verfügbar. Die Software dazu ist Open Source. Verwendet wird dafür in Europa das SRD-Band (868 MHz).
Meshtastic nutzt standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselunt mithilfe von AES-256-CTR. Das bedeutet in der Praxis: Ohne den richtigen Key kann niemand mitlesen, nicht einmal der Staat. Schließlich gibt es ja auch in Österreich immer wieder den Wunsch der Polizei, bei Chats mitlesen zu wollen.

Wem das alles zu technisch klingt: Keine Sorge, es liest sich alles viel komplizierter als es eigentlich ist. Wer es schafft, sein Smartphone an einem USB-Port zu laden, dürfte auch mit der Einrichtung eines Meshtastic-Endgeräts keine Probleme haben.
Der einfache Teil: Komponenten bestellen
Als Basis im Selbstversuch des STANDARD dient eine Entwicklerplatine, konkret ein Heltec LoRa V3. Da es sich um ein Auslaufmodell handelt, sind diese schon ab etwa 20 Euro zu bekommen. Die aktuellste Variante (V4) kostet rund 25 bis 30 Euro. Ihnen allen gemein ist, dass sie neben den üblichen Funktionen wie WLAN, Bluetooth und ein Batteriemanagementsystem über einen SX1262 Sendeempfänger verfügen – also im Prinzip ein Funkgerät sind. Die (ziemlich nutzlose) Antenne, Kabel für die Batterie und einige Pins für selbst eingelötete Anschlüsse sind inbegriffen.
Wer unbedingt ein (für den Betrieb nicht notwendiges) GPS-Modul einbauen möchte und nicht selbst zum Lötkolben greifen will, sollte die V4 wählen: Auf dieser Platine sind die Anschlüsse für das GPS-Modul schon vorhanden. Wer das Rundum-Sorglos-Paket haben möchte, greift zum Lilygo T-Beam, hier sind GPS und ein Akkuhalter für 18650-Zellen bereits fest verbaut.
Der noch einfachere Teil: Zusammenbasteln
Allzu viel technisches Geschick braucht der geneigte Bastler an dieser Stelle nicht: Die Platine muss einmal mit einem USB-C-Kabel an einen Rechner angeschlossen werden, damit die richtige Firmware geflasht werden kann. Keine Sorge, auch das ist kein Problem. Einfach per USB-C mit dem PC verbinden und diese Seite ansurfen. Dort muss man noch das eigene Gerät auswählen und die Firmware flashen. Man sollte dabei als Normaluser von den Alphaversionen Abstand nehmen und zur mit dem Label „stabil“ markierten Software greifen.

Anschließend muss man auf dem Smartphone die Meshtastic-App installieren. Diese ist für Android-Geräte sowie für Apple-Smartphones verfügbar. Via Bluetooth wird die Verbindung mit dem Funkmodul hergestellt. Diesem kann man daraufhin einen eigenen Namen geben, mit dem man dann auch in der App in Erscheinung tritt. Mit dem Rest sollte jeder zurechtkommen, der auch Whatsapp bedienen kann. Wenn man allerdings mit jemand bestimmten in Kontakt treten möchte, lohnt es sich, zuvor über klassische Messenger-Kontakte einen QR-Code zu teilen.
Nun funktioniert das Gerät bauartbedingt im Freien natürlich am besten. Das heißt, idealerweise bestellt man mit dem Funkmodul gleich einen 3,7 Volt-Akku (meist unter 10 Euro zu haben) mit dazu. Dieser lässt sich in die meisten Funkmodule einfach einstöpseln, Anschlüsse sind vorhanden. Natürlich kann man auch eine externe Lösung wie eine Powerbank verwenden, wenn man ein solches Gerät ohnehin zu Hause hat.
Es lohnt sich darüber hinaus die Investition in eine zusätzliche Antenne. Die mitgelieferten Exemplare sind meistens sehr schlecht, und ein Modell eines Drittanbieters um rund zehn Euro kann die Reichweite verdoppeln.
Einkaufsliste
Wer auch noch einen 3D-Drucker sein Eigen nennt, kann sich ein eigenes Gehäuse für sein regimeunabhängiges Rebellen-Kommunikationsgerät ausdrucken. Es gibt sogar Varianten, die man mittels Magnet an das Smartphone heften kann. Im Selbstversuch (und nach einigen Fehldrucken) hat es sich aber als praktisch erwiesen, ein etwas größeres Gehäuse zu drucken – vor allem, wenn man als Anfänger im Elektronikbasteln die Kabel des GPS-Moduls zu lange gelassen hat. Die Druckvorlagen gibt es bei den einschlägig bekannten Seiten wie Thingiverse, Makerworld oder Printables.
Große Reichweite im dezentralen Netz
Wie funktioniert das Ganze? Das LoRa-Protokoll hat theoretisch eine Reichweite von 15 Kilometern. Praktisch ist die Reichweite natürlich durch topografische Gegebenheiten und Hindernisse deutlich geringer. Aber wir sprechen hier immer noch von Distanzen im Kilometerbereich.

Meshtastic ist ein dezentrales Netzwerk, alle Teilnehmer arbeiten auch als Knoten für die Datenübertragung. Damit ist eine Kommunikation ohne Mobilfunknetze möglich und das auch über große Distanzen, solange sich genügend Knoten zwischen dem Sender und Empfänger befinden.
Wer möchte, kann mit seinem GPS-Modul auch die eigenen Positionsdaten übertragen. Das ist auch der Grund, warum Meshtastic gerne bei Personensuchen, Waldbränden und Rettungseinsätzen verwendet wird: Damit lässt sich der Überblick über die eingesetzten Kräfte behalten. Auch das US-Militär setzt die Technologie zur Koordination von kleinen Einsatztrupps ein.
Einschränkungen
Für besonders paranoide Naturen noch ein Hinweis. Das System hat eine Achillesferse, denn mittels Radio Direction Finding können LoRa-Signale geortet werden. In weniger dramatischen Situationen und wenn das Internet wie vorgesehen funktioniert, kann man auch MQTT aktivieren. Damit kann man Nachrichten über einen einzigen Internet-Gateway-Knoten in die ganze Welt schicken.
Ein weiterer Vorteil ist der extrem geringe Stromverbrauch. Gekoppelt mit einem Solarpanel und einem Akku kann ein Meshtastic-Gerät monatelang autark auf einem Baum oder dem Balkon laufen. Doch Achtung: Für sensible Kommunikation sollte man unbedingt einen privaten Kanal mit eigenem QR-Code erstellen, standardmäßig landet man nämlich im öffentlichen Kanal namens Longfast. Dieser kann zwar sehr unterhaltsame Konversationen mit Fremden hervorbringen, sollte aber nicht für vertrauliche Gespräche verwendet werden.
Mit dem dezentralen Netzwerk lassen sich aber auch Kommunikationseinschränkungen diverser Staaten umgehen. In Myanmar ist das Netzwerk mittlerweile recht weitverbreitet – und dort herrscht bekanntlich eine besonders repressive Militärdiktatur.
Dieser Artikel wurde zuvor von Peter Zellinger am 07.03.2026 auf derstandard.at veröffentlicht!


