Deutschland hat im Rahmen seiner neuen digitalen Infrastrukturstrategie Deutschland-Stack das Open-Document-Format (ODF) verbindlich für Dokumente in der öffentlichen Verwaltung festgelegt. Microsofts Word ist an dieser Stelle also als Quasi-Standard raus.

Offene Formate für Behörden
Das vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung veröffentlichte Rahmenwerk definiert technische Vorgaben für eine gemeinsame, interoperable IT-Umgebung über alle Verwaltungsebenen hinweg. Zukünftig sind demnach ausschließlich offene Formate wie Open-Document-Format sowie PDF/UA für offizielle Dokumente zugelassen. Proprietäre Alternativen werden explizit ausgeschlossen, wie aus einer Mitteilung der Document Foundation (via BornCity) hervorgeht, die hinter dem LibreOffice-Projekt steht.
ODF ist ein offenes, international standardisiertes Dateiformat, das unter anderem von Programmen wie LibreOffice verwendet wird. Durch die verpflichtende Nutzung sollen Dokumente langfristig zugänglich bleiben, unabhängig von einzelnen Softwareanbietern oder gar Software-Versionen. Gleichzeitig wird die Kompatibilität zwischen verschiedenen Systemen innerhalb der Verwaltung verbessert. Microsoft bezeichnet das Word-Format OOXML zwar auch als offenen Standard, in der Praxis ergeben sich aber immer wieder Probleme.
Der Deutschland-Stack ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Stärkung der sogenannten digitalen Souveränität. Ziel ist es, IT-Infrastrukturen auf Basis offener Standards, offener Schnittstellen und verstärkter Nutzung von Open-Source-Software aufzubauen. Auch die Speicherung von Daten innerhalb nationaler oder europäischer Strukturen spielt dabei eine zentrale Rolle, um Abhängigkeiten von internationalen Technologiekonzernen zu verringern.
Gleicher Kurs in Europa
Deutschland reiht sich mit dieser Maßnahme in eine Reihe europäischer Initiativen ein, die auf mehr Interoperabilität und digitale Unabhängigkeit abzielen. Dazu zählen unter anderem das European-Interoperability-Framework sowie der Cyber-Resilience-Act. Beide setzen verstärkt auf offene Standards, um sichere und transparente digitale Dienste zu gewährleisten.
Der Deutschland-Stack basiert auf Beschlüssen verschiedener Bundes- und Landesgremien und soll die Entwicklung der gemeinsamen digitalen Infrastruktur bis mindestens 2028 prägen. Die neuen Vorgaben dürften zukünftig wesentlichen Einfluss auf Softwarebeschaffung, IT-Architekturen und Dokumentenprozesse im öffentlichen Sektor haben.
Zusammenfassung
- Deutschland macht das Open-Document-Format zur Pflicht in der Verwaltung
- Microsofts Word wird als Quasi-Standard für Behördendokumente abgelöst
- Nur offene Formate wie ODF und PDF/UA sind zukünftig noch zugelassen
- Der Deutschland-Stack soll die digitale Souveränität nachhaltig stärken
- Open-Source-Software und offene Standards bilden die technische Grundlage
- Abhängigkeiten von internationalen Technologiekonzernen sollen sinken
- Die neuen Vorgaben sollen die digitale Infrastruktur bis 2028 prägen
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